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Cybermobbing geht uns alle etwas an.

Autor: Patrick Frei


Am 9. September 2022 berichteten Nadya und Candid Pfister über den schweizweit bekannten Mobbingfall aus dem Jahr 2017, der erschütterte, aufrüttelte und schockierte. Mittlerweile engagieren sich die Eltern auf verschiedenen Ebenen gegen Cybermobbing. Drei Bezirksschulklassen versammelten sich am zweiten Freitag im September um 13.30 Uhr in der Aula Dorf in Suhr und wurden Zeugen einer Tragödie, die eigentlich niemals hätte passieren dürfen.


Nadya und Candid Pfister sind die Eltern von Céline. Sie waren es. Denn seit fünf Jahren existiert ihre Tochter nur noch in ihrer Erinnerung. Der erste in diesem Masse tragische Fall eines Suizids nach systematischem Cybermobbing rüttelte damals die Schweiz auf. Die Rundschau, 10vor10, Schweiz aktuell und deutsche Sender berichteten darüber.


Schweiz als trauriger Spitzenreiter


Über Snapchat, Tiktok, Instagram und Whatsapp lassen sich einerseits Freundschaften pflegen, andererseits auch zerstören. Dass die Würde und das Selbstbewusstsein zerstört wird, wenn üble Nachrede die virale Runde macht, weiss man zwar, aber es scheint kaum ein Rezept dagegen zu geben. In der Schweiz ist laut PISA-Studie das Problem riesig: Weit über 10% der Jugendlichen berichten, dass man sich mindestens einmal pro Monat über sie lustig macht. Welche Folgen das haben kann, zeigt der Fall von Céline, die mit dem Druck nicht mehr umgehen konnte und sich am 28. August 2017, vier Monate vor ihrem 14. Geburtstag, das Leben nahm.


Es ging unter die Haut


der Pein der Blossstellungen und der Tatsache, dass man als Eltern eigentlich nie darüber hinwegkommt. Die Täterin, die Céline mit Drohungen in den Tod trieb - zusammen mit einem damals ein Jahr älteren Jungen, der Céline mit erotischen Bildern erpresste machte auch nach der Tat weiter, wurde mit ein paar Tagen gemeinnütziger Arbeit bestraft und war zwar geständig, aber unbelehrbar. Die Ungerechtigkeit und die Tragik von Célines «unnötigen und absolut sinnlosen Tod» war an jenem Freitag spürbar und ging unter die Haut. Darüber zu reden und darüber zu weinen, hilft zwar, einen Weg zum Weiterleben zu finden, erklärte Nadya Pfister, «aber Céline wird nie mehr da sein. Sie ist weg.»


Nicht nur den Kopf erreichen, sondern auch die Herzen


Seit Dezember 2021 gibt es den Verein «celinesvoice», der aufklärt, warnt und vor allem für einen entsprechenden juristischen Umgang mit dem Problem kämpft. Zwar seien laut Juristen die Straftatbestände der Nötigung und der sog. (versuchten) sexuellen Nötigung abgedeckt, aber nicht in dem Masse und der Form wie zum Beispiel in Österreich, wo das Strafgesetzbuch entsprechend angepasst wurde. Der Kampf geht also weiter auf politischer Ebene, um zu sensibilisieren.


Es waren erdrückende 60 Minuten, in denen Nadya und Candid Pfister dank ihrer Offenheit, ihrer Ehrlichkeit und ihrer Herzlichkeit nicht nur die Köpfe der Jugendlichen erreichten, sondern auch die Herzen berührten. Der Autor dieser Zeilen ist tief beeindruckt und dankbar für ein Engagement, das unbezahlbar ist.



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