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Mobbing – Das verborgene Leiden der Schweizer Jugend

Aktualisiert: 3. Juni 2022

Mobbing in seinen unterschiedlichsten Formen ist in der Schweiz ein grosses Problem – wie der Fall Céline erschütternd aufzeigte. Obwohl einige Institutionen und Organisationen reagieren und eine Veränderung herbeiführen wollen, muss sich auf gesamtgesellschaftlicher Ebene noch vieles verbessern.


Die Schweiz holte sich in einer Pisa-Studie von 2018 einen unrühmlichen ersten Platz: In kaum einem anderen europäischen Land erfahren Schüler:innen so viel Mobbing. In allen Kategorien, inklusive Ausgelacht-Werden, Gerüchte und körperliche Übergriffe, ist der prozentuale Anteil solcher Erfahrungen gestiegen. Diese Erlebnisse gehen über «normale» Auseinandersetzungen und Konfliktsituationen zwischen Kindern oder Jugendlichen hinaus. «Mobbing ist ein systematischer und sich entwickelnder Prozess. Die Opfer werden gezielt attackiert», erklärt Gabriela Kaiser, Leitung der Fachstelle für Opferhilfeberatung und Kinderschutz OKey. Kaiser hebt die schwierige Situation der Betroffenen hervor: «Erwachsene erkennen Mobbing immer zu spät oder gar nicht, da es lange im Versteckten passiert.»


Potenziell schwerwiegende Langzeitfolgen


Diese Dynamiken zu vernachlässigen oder gar zu bagatellisieren ist gefährlich. Die psychische und physische Gewalt erzeugt einen Leidensdruck, der sich auch Jahre später, im Erwachsenenalter, in vielfältigen negativen Erscheinungen äussern kann. «Bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen bleibt wenig Raum für die altersgemässen Entwicklungsaufgaben. Die Folgen von Traumatisierungen sind sehr gut untersucht und haben Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sowie die Hirnentwicklung», präzisiert Kaiser. Lernfähigkeitsstörungen, Depressionen, psychosomatische Beschwerden und Vertrauensschwierigkeiten sind neben einem erhöhten Risiko, Opfer weiteren Mobbings, Straftaten und häuslicher Gewalt zu werden, beobachtbar.


Frühzeitige Intervention


In Bezug auf das psychische Wohlbefinden lässt sich laut Kaiser aber etwas tun: «Viele Studien zeigen, dass prognostisch in Bezug auf psychische Beeinträchtigungen entscheidend ist, ob ein Opfer Hilfe und Anerkennung erhalten hat.» Betroffene sollten also frühzeitig bei Eltern, Lehrpersonen, der Schulsozialarbeit oder Fachpersonen Unterstützung suchen. Wichtiger ist dennoch, dass das Umfeld interveniert. Erwachsene sollten auf Auffälligkeiten reagieren, unbedingt nachfragen und niederschwellig das Gespräch suchen. Auch anderweitig sollten laut Kaiser die Hilfsangebote zugänglich gemacht werden: «Bei fortgeschrittenem Mobbing helfen breit abgestützte Programme zur Bekämpfung und externe Fachstellen. Institutionen wie Schulen müssen dazu bereit sein, Geld beispielsweise in Kriseninterventionen zu investieren.»


quelle: 02.11.2021 von SMA

https://fokus.swiss/gesellschaft/jugend/mobbing-das-leiden-der-jugend/



Was tun bei Mobbing?

Kinder, Jugendliche und Erwachsene können sich unter anderen an folgende Stellen wenden:


  • Rund um die Uhr und kostenlos auf 147.ch oder unter der Telefonnummer 147

  • Fachstelle für Opferhilfeberatung und Kinderschutz OKey in Winterthur

  • Anonym und kostenlos aus der ganzen Schweiz: Opferhilfe Schweiz




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